
Asiatische Hornisse oder heimische Art: Woran man sie in Heilbronn
Ein dunkles Tier mit gelben Beinenden am Nistkasten oder unter dem Dachvorsprung: Asiatische Hornisse oder doch die geschützte heimische Art? Der Unterschied liegt im Detail. Wer genau hinschaut, erkennt ihn ohne Fachkraft und weiß, wohin die Meldung geht.
- Dunkler Brustpanzer statt rotbraun
- Gelbe Beinenden als Erkennungsmerkmal
- Meldung an die Naturschutzbehörde
Am Weinberghäuschen in Sontheim hängt ein Nest, faustgroß, an einem Dachbalken befestigt. Wer jetzt zwei Insekten nebeneinanderhält, sieht den Unterschied selten auf den ersten Blick. Beide sind groß, beide surren tief, beide lösen bei vielen ein ungutes Gefühl aus. Doch nur eine der beiden Arten ist in Baden-Württemberg noch relativ neu und wird anders behandelt als die einheimische.
Baden-Württemberg gilt als das älteste Verbreitungsgebiet der Asiatischen Hornisse in Deutschland. Wer in Heilbronn ein Nest entdeckt, hat also gute Chancen, tatsächlich auf Vespa velutina zu treffen. Genau das macht die Verwechslung mit der heimischen, geschützten Hornisse zum häufigsten Fehler. Der folgende Beitrag zeigt die Merkmale und erklärt, wann eine Meldung reicht und wann eine Fachkraft gefragt ist.
Die Merkmale im Vergleich
Der auffälligste Unterschied liegt am Brustpanzer. Die heimische Hornisse zeigt dort ein rotbraunes Muster, die Asiatische Hornisse einen fast durchgehend dunklen, samtig schwarzen Panzer. Auch die Beine verraten viel: Bei Vespa velutina sind die Enden der Beine deutlich gelb gefärbt, fast wie eingetaucht. Die heimische Art hat dagegen bräunliche Beine ohne diesen Kontrast. Die Körpergröße unterscheidet sich ebenfalls, die Asiatische Hornisse bleibt insgesamt kleiner und wirkt gedrungener als ihr heimisches Gegenstück.
Auch die Nester unterscheiden sich. Vespa velutina baut ihre Nester oft hoch in Bäumen, in Kronen oder an Fassaden, kugelförmig und mit einem seitlichen Eingang. Die heimische Hornisse nistet eher in Hohlräumen, unter Dachvorsprüngen, in Rollladenkästen oder alten Baumhöhlen. Wer in Heilbronn zwischen Weinbergen und Wohnbebauung unterwegs ist, findet beide Situationen: freistehende Nester an Trockenmauern und versteckte Nester an Wengerthäuschen oder Scheunen in den eingemeindeten Ortskernen.
Merkmale auf einen Blick
Diese fünf Punkte helfen bei der ersten Einschätzung, bevor eine Meldung oder ein Anruf bei einer Fachkraft folgt.
- BrustpanzerDunkel und samtig bei Vespa velutina, rotbraun gemustert bei der heimischen Hornisse. Der klarste Unterschied auf den ersten Blick.
- BeinendenGelbe Färbung an den Beinenden ist typisch für die Asiatische Hornisse und bei der heimischen Art nicht vorhanden.
- KörpergrößeVespa velutina wirkt insgesamt kleiner und kompakter als die heimische Hornisse mit ihrem längeren Hinterleib.
- NistplatzHoch in Baumkronen oder an Fassaden bei der Asiatischen Art, Hohlräume und Dachnischen bei der heimischen.
- FlugverhaltenVespa velutina jagt gezielt vor Bienenstöcken und verharrt dort auffällig in der Luft, ein zusätzlicher Hinweis.
So geht man bei einer Sichtung vor
Wer ein Nest oder einzelne Tiere entdeckt, sollte in dieser Reihenfolge vorgehen, ohne sich dem Nest zu nähern.
1Abstand halten
Nicht an das Nest herantreten, keine Erschütterung auslösen und Kinder sowie Haustiere fernhalten.
2Foto machen
Aus sicherer Entfernung ein Foto von Tier oder Nest aufnehmen, das erleichtert die spätere Einordnung erheblich.
3Behörde melden
Die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Heilbronn nimmt Sichtungen der Asiatischen Hornisse entgegen und ordnet sie ein.
4Fachkraft einbeziehen
Bei bestätigtem Befund und Nest in Wohnnähe übernimmt eine Fachkraft die weitere Bewertung und Entfernung.
Typische Fehleinschätzungen
Bei der Unterscheidung der beiden Arten passieren immer wieder dieselben Fehler, mit teils unnötigen Folgen.
- Jede Hornisse für invasiv haltenNicht jede große dunkle Hornisse ist Vespa velutina. Die heimische Art steht unter Artenschutz und darf nicht bekämpft werden.
- Nest ohne Prüfung entfernenEin Nest eigenständig zu entfernen, ist bei beiden Arten riskant und bei der geschützten heimischen Hornisse zudem untersagt.
- Meldung für überflüssig haltenManche verzichten auf die Meldung, weil sie sich unsicher fühlen. Genau das verzögert die richtige Einordnung durch die Behörde.
- Fachwerk ohne Rücksprache behandelnAn denkmalgeschützten Gebäuden ist vor jeder Maßnahme die Untere Denkmalschutzbehörde einzubeziehen, sonst drohen Komplikationen.
Lieber gleich fragen?
Ein kurzer Anruf spart oft den zweiten Versuch.
Wann eine Fachkraft übernimmt
Die Unterscheidung der beiden Hornissenarten gelingt mit etwas Übung auch ohne Fachwissen. Sobald ein Nest bestätigt ist und in der Nähe von Wohnbereichen, Terrassen oder Kinderspielflächen hängt, endet der Bereich der eigenen Beobachtung. Die Fachkraft prüft Art und Lage vor Ort, stimmt sich bei Bedarf mit der Naturschutzbehörde ab und entscheidet über das weitere Vorgehen zwischen April und November, wenn die Nester aktiv sind.
Mehr zum Thema auf der Leistungsseite Asiatische Hornisse.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet man die Asiatische von der heimischen Hornisse am schnellsten?
Der Brustpanzer ist das klarste Merkmal: dunkel und samtig bei Vespa velutina, rotbraun gemustert bei der heimischen Art. Zusätzlich sind die Beinenden bei der Asiatischen Hornisse gelb gefärbt, bei der heimischen nicht.
Muss ich eine Sichtung der Asiatischen Hornisse melden?
Ja. Vespa velutina ist eine invasive Art, Sichtungen gehören der Unteren Naturschutzbehörde in Heilbronn gemeldet. Ein Foto aus sicherer Entfernung erleichtert die Einordnung.
Darf ich ein Nest der heimischen Hornisse selbst entfernen?
Nein. Die heimische Hornisse steht unter Artenschutz, für Eingriffe ist eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde nötig. Ein eigenständiges Entfernen ist nicht erlaubt.
Was gilt bei einem Nest an denkmalgeschütztem Fachwerk?
Vor jeder Behandlung ist die Untere Denkmalschutzbehörde einzubeziehen. Das gilt für viele der eingemeindeten Ortskerne mit historischen Höfen und Wengerthäuschen in Heilbronn.